Milben

Die Ordnung der Milben (Acari), welche zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida) gehört, stellt mit etwa 20'000 beschriebenen Arten eine der artenreichsten Gruppen der Arachniden dar. Im Gegensatz zu allen anderen Spinnentieren, die sich ausschließlich räuberisch ernähren und in ihrer Körpergestalt sehr konstant bleiben, findet man bei den Milben neben Räubern auch Pflanzen- und Abfallfresser sowie viele Parasiten. Die verschiedenen Typen der Nahrungsaufnahme bedingen eine enorme Vielfalt der Gestalt und Lebensweise. Deshalb ist es sehr schwer, Merkmale zu nennen, die allen Milben gemeinsam sind.

Sie sind ausgesprochen kleine Tiere, die meisten messen zwischen 0,5 und 2 mm. Zu den kleinsten gehören die Haarbalgmilben (Demodicidae), die gerade 0,1 mm erreichen. Die größten sind die Weibchen mancher Zecken (Ixodidae), die vollgesogen bis 3 cm lang werden. Die typische Gliederung des Spinnenkörpers ist bei den meisten Milben nicht zu erkennen. Bis auf wenige Ausnahmen haben alle Milben im erwachsenen Zustand vier Beinpaare. In Anpassung an verschiedene Lebensweisen können die Laufbeine zu Klammerorganen, Fußstummeln oder Schwimmbeinen umgebildet sein. Die beiden vorderen Extremitätenpaare haben eine weitgehende Abwandlung erfahren. Sie bilden zusammen mit der Körperspitze einen röhrenförmigen Mundraum. Durch diese Umbildungen entsteht ein sehr effektiver Stech- und Saugapparat.

Milben leben oft in unvorstellbaren Individuenzahlen überall auf der Welt, in allen erdenklichen Lebensräumen, an Land, im Meer und im Süßwasser. Nasenlöcher von Vögeln und Robben, die Flughaut der Fledermäuse, die Lungen von Affen und die Tracheen(= Atmungsorgane) der Insekten sind einige ausgefallene Beispiele. In den folgenden Abschnitten beschreibe ich nur einige besonders wichtige Gruppen oder Arten. Das Hauptgewicht liegt dabei auf medizinisch bedeutsamen Milben, da ihre Biologie meist am besten erforscht ist.

Die Larven der Laufmilbe (Trombididae) beispielsweise ernähren sich ebenfalls von Hautzellen. In der Regel befallen sie Nagetiere oder andere kleine Säuger, sie parasitieren aber auch am Menschen und können dort zu ernsthaften Hautreizungen führen. Zu den parasitischen Milben zählt man auch die Zecken (Ixodidae), die nicht nur unangenehme Blutsauger an Säugetieren und Reptilien darstellen, sondern auch in der Medizin als †berträger gefährlicher Infektionskrankheiten Bedeutung erlangt haben. Völlig harmlose Bewohner der Säuger - auch fast jeder Mensch ist infiziert - sind die Haarbalgmilben (Demodicidae). Sie sind wurmförmig, mit winzigen Fußstummeln, und leben in den Haarwurzeln, wo sie sich von Talg, dem Sekret der Talgdrüsen, ernähren.