Milbe
Unter optimalen Umweltverhältnissen entsteht eine Generation innerhalb eines Monats. Bei widrigen Umwelteinflüssen verharren die Tiere länger in den verschiedenen Ruhephasen, vor allem in derjenigen des Protonymphalstadiums. So verbleibt z. B. die Nordamerikanische Hausstaubmilbe bei 15, 6ˇ C 144 Tage im Ruhezustand und vollendet ihren Lebenszyklus erst nach insgesamt 288 Tagen. Unter bestimmten Bedingungen werden vollentwickelte, schlüpfreife Eier abgelegt. Parthenogenese (= Jungfernzeugung ohne Partner) scheint nicht vorzukommen. Die Männchen der Hausstaubmilbe leben 60 bis 80 Tage, die Weibchen bis 100 Tage.
Die Männchen, welche aus dem Tritonymphalstadium geschlüpft sind, bleiben nach einem bis drei Ruhetagen bis ans Ende ihres Lebens sexuell aktiv. Männchen wie Weibchen kopulieren während des Lebens mehrmals.
Die natürliche Nahrungsquelle der Hausstaubmilben dürften Hautschuppen von Menschen und Tieren sowie Mikroorganismen und Pilze, die für den Abbau der lipidhaltigen Bestandteile der Schuppen verantwortlich sind, darstellen. Anderes organisches Material, wie Lebensmittelvorräte oder Pollen, wird ebenfalls verzehrt.
Das natürliche Biotop der Hausstaubmilben ist in erster Linie das Bett. Hier finden die Tiere Schuppen und Mikroorganismen in reichlichen Mengen als Nahrungsquelle vor. Der Mensch verliert pro 24 Std. bis zu 1 g Schuppen. Mit dieser Menge können 1 Mio. Milben ernährt werden.Entscheidend ist aber auch das Mikroklima. Es wurde festgestellt, dass die optimalen Temperaturen unter 30ˇ C bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 % für eine schnelle Vermehrung der Tiere optimal sind. Die minimale relative Luftfeuchtigkeit muss mindestens 55 % betragen, die Vermehrung setzt nur bei einer solchen von mindestens 60 % ein.
Die Innentemperatur menschlicher Wohnungen beträgt ganzjährig etwa 20ˇ C. Zusätzlich wird die Temperatur im Bett durch Körperwärme des schlafenden Menschen auf 25 ± 3ˇ C erhöht, eine für Milben optimale Temperatur. Die stark variable Luftfeuchtigkeit ist für die Milbe von zentraler Bedeutung. Sie kann vom Menschen durch seine Transpiration (= Schwitzen) sehr stark erhöht werden. Feuchtigkeitsquellen im Haushalt sind zudem Küche und Bad. Eine Rolle spielt auch das lokale Klima. Die Distanz eines Hauses zu Seen, Flüssen oder Wäldern ist mit entscheidend für die Feuchtigkeit der Innenräume.
Hausstaub bzw. Hausstaubmilben rufen (neben Graspollen, Bäumepollen, Sträucherpollen und Schimmelpilzen sowie Tierallergenen) beim entsprechend Disponierten (Atopiker) vorwiegend Inhalationsallergien hervor.
Zu nennen sind einerseits die durch anfallsweise auftretende starke Schleimbildung in der Nase, durch Attacken von Niesreiz und roten, tränenden Augen charakterisierte Rhinoconjunctivitis allergica (= »Heuschnupfen") und andererseits das rasch auftretende und sich meist spontan wieder zurückbildende Asthma bronchiale (mit Luftnot, Husten und Giemen). Dieses wird verursacht durch Bronchospasmus (= Bronchienzusammenziehen), Produktion von zähem Schleim und Anschwellen der Bronchialschleimhaut.
Die Hausstauballergiker leiden unter ihren Beschwerden im allgemeinen während des ganzen Jahres, etwas vermehrt in den Monaten mit hoher Luftfeuchtigkeit und großer Milbenvermehrung. Symptome treten besonders während der Nacht oder am frühen Morgen auf, wenn die Patienten im Bett sind. Symptomfreiheit wird bei Aufenthalt in trockenen oder hochgelegenen Gebieten (über 1600 m. ü. M.) erreicht.
Billigste und einfachste Methode der Elimination von Hausstaubmilben ist das wiederholte und gründliche Ausklopfen der Betten und Bettenausstattung im Freien, die Reinigung der Möbel und das feuchte Aufwischen der Fußböden. Der atopische Patient darf jedoch diese Arbeiten nicht selber durchführen, es sei denn, er trage einen Gesichtsschutz, der ihn vor der Inhalation aufgewirbelter Allergene bewahrt.
Häufiges Wechseln der Bettwäsche, Waschen der Wolldecken und Lüften des Bettinhaltes in der Sonne sowie häufiges Durchlüften der Zimmer sind weitere Möglichkeiten, das für Milben optimale Mikroklima zu zerstören. Gebirgsgegenden, wie etwa das Engadin, sind wegen ihrer geringen Luftfeuchtigkeit praktisch milbenfrei und seit altersher beliebte Aufenthalts- und Kurorte von Asthmatikern.





